Allgemein-, Viszeral- und minimal-invasive Chirurgie

Erkrankungen | Behandlungsschwerpunkte

Entzündungen und Tumore des Dickdarms und Mastdarms (Divertikulitis, Tumor, Schließmuskelerhaltung)

Divertikel

Divertikel sind kleine Schleimhautausstülpungen der Darmwand. Bei etwa 50 % aller 50-Jährigen finden sich diese Divertikel im unteren Dickdarm (Krummdarm = Sigma). Seltener werden Divertikel im rechtsseitigen Dickdarm (Zoekum) beobachtet. In den Divertikeln gefangener Stuhl kann zur Entzündung des betroffenen Darm­abschnittes (Divertikulitis) bis zum Darmdurchbruch mit Bauchfell­entzündung führen. Die Beschwerden sind denen der Blinddarm­entzündung ähnlich. Entsprechend der Lokalisation wird die Divertikulitis im Medizinjargon auch als „Linksappendizitis“ bezeichnet. Im akuten Stadium mit Fieber, linksseitigen Unterbauchschmerzen und Stuhlverhalt kann vielfach konservativ (ohne Operation) mit Diät und Antibiotika behandelt werden. Im Fall eines Darmdurchbruches ist ein Notfalleingriff meist unumgänglich. Nach dem zweiten Schub der Erkrankung oder sehr früher Erstmanifestation (unter vierzig Jahren) wird eine operative Entfernung des Sigmas mit den Divertikeln empfohlen. Hierdurch lassen sich schwere, lebensgefährliche Komplikationen verhindern. Die Operation wird im Rahmen einer Bauchhöhlenspiegelung minimal-invasiv mit dem Ultraschallskalpell durchgeführt (Schlüsselloch-Chirurgie). Die passagere Anlage eines künstlichen Darmausganges ist normalerweise nicht notwendig. Bei Beachtung der notwendigen Resektionsgrenzen ist das Risiko neuerlicher Divertikelbildungen mit Entzündung im Restdarm anschließend sehr gering.

Tumore

Bei allen bösartigen Tumoren wird der jeweilige Fall im Rahmen der regelmäßigen interdisziplinären Konferenzen mit Internisten (Onkologen), Radiologen, Intensiv­medizinern und Chirurgen diskutiert und vor der Operation ein individueller Therapieplan erstellt. Je nach betroffenem Organ und Tumorstadium kommen vor- oder nach­geschaltete Chemotherapie oder Bestrahlung zur Anwendung. Diese Behandlungen lassen sich oft ambulant durchführen, sodass der Patient nur zur eigentlichen Tumoroperation stationär aufgenommen werden muss. Unklare Befunde werden während einer Operation mit Hilfe von Schnellschnitten mikroskopisch untersucht und geklärt.

Schließmuskelerhaltung

Tumore des Mastdarmes, die operativ entfernt werden müssen, werfen sogleich die Frage nach dem Erhalt des Schließmuskel­apparates auf. Bei bösartigen Tumoren hat prinzipiell die vollständige Tumorentfernung mit ausreichendem Sicherheits­abstand Vorrang vor dem Erhalt des Schließmuskelapparates. Exakte Unter­suchungs­­methoden (endorektaler Ultraschall) in Verbindung mit einer Vor­behandlung durch Strahlen- und Chemotherapie (zum Zweck der Tumor­verkleinerung = Down-staging) machen jedoch auch bei Mastdarmkrebsen nahe des Darmausganges noch einen Erhalt des Schließmuskels möglich. Die kritische Grenze liegt bei ca. 4 bis 5 cm Abstand zum Darmausgang. Wird nach Abschluss der Vor­untersuchungen zunächst eine Strahlen- und Chemotherapie (ambulante Behandlung) durchgeführt, so sollte das Intervall zwischen Abschluss der Vor­be­handlung und Operation ca. 6 bis 7 Wochen betragen um den Effekt der Tumorverkleinerung voll zum Tragen kommen zu lassen. Operativ-technisch kann die Funktion des Mastdarmes bei Darmnähten nahe des Schließmuskels durch eine Dickdarm-Pouch (Doppelung des Darmes auf einer Strecke von ca. 5 bis 6 cm) ersetzt werden. Durch diese Operationstechnik reduziert sich die Stuhlfrequenz insbesondere in den ersten 12 Monaten nach dem Eingriff auf ein normales Maß. Unter Umständen muss ein vorübergehender künstlicher Darmausgang angelegt werden, welcher nach 4 bis 6 Wochen wieder verschlossen wird. Bei der Operation einer Form der chronischen Dickdarmentzündung mit Beginn im Mastdarm (Colitis ulcerosa) müssen keine Sicherheitsabstände wie bei Krebsoperationen eingehalten werden. Hierbei ist vielmehr die vollständige Entfernung der gesamten Dickdarm- und Mast­darm­schleimhaut anzustreben (ohne Colon keine Colitis). Nach lang­jährigen Verläufen oder bei Versagen der konservativen Therapie besteht das Standardverfahren in der vollständigen Dickdarm- und Mastdarmentfernung mit Ersatz des Mastdarmes durch eine Dünndarm-Pouch mit Anschluss an den Schließ­muskelapparat. Mit dieser Op.-Technik (Colektomie und ileo-Pouch-anale Anastomose, IPAA) lässt sich ein dauerhafter künstlicher Darmausgang vermeiden und eine weitgehend normale Kontinenzleistung erreichen.